Keine Bewerbungen trotz Stellenanzeige?

Vor ein paar Tagen habe ich für ein anderes Thema in einem regionalen Stellenportal recherchiert. Zehn Seiten Ergebnisse, Hunderte Anzeigen aus der Oberlausitz. Was mir dabei auffiel: Viele Unternehmen schreiben nicht eine Stelle aus, sondern fünf. Manche sieben. Seit Monaten.

Das sind keine Unternehmen, die schlecht arbeiten. Das sind Fertigungsbetriebe mit vollen Auftragsbüchern, Metallbauer mit guter Auslastung, Kunststoffverarbeiter mit internationalen Kunden. Trotzdem bleiben die Stellen offen.

Es liegt selten an der Anzeige selbst. Es liegt an dem, was danach passiert.

Was passiert denn, nachdem jemand Ihre Anzeige gelesen hat?

Bewerber:innen suchen Ihr Unternehmen im Netz. Und das ist der Schritt, den fast alle Unternehmen übersehen.

Eine Stellenanzeige steht auf Indeed, auf einem regionalen Portal oder bei der Arbeitsagentur. Sie sieht dort genauso aus wie alle anderen: gleiche Schrift, gleiche Struktur, gleiches Layout. Wer Interesse hat, will wissen, mit wem er es zu tun hat. Also tippt er Ihren Namen bei Google ein.

Was Bewerber:innen dann finden, entscheidet darüber, ob sie sich bewerben oder nicht. Und genau dort haben die meisten Unternehmen nichts vorbereitet.

Woran es konkret liegt

Die Karriereseite listet nur Stellen auf.

Überschrift, Aufgaben, Anforderungen, Kontakt. Das steht aber schon in der Anzeige. Wer auf Ihre Karriereseite kommt, will etwas anderes wissen: Wie ist es, bei Ihnen zu arbeiten? Wer sind die Menschen? Was passiert am ersten Tag?

Es gibt keine Gesichter.

Produktfotos, Maschinenbilder, das Firmengebäude von außen. Aber niemand, der dort arbeitet. Menschen entscheiden sich für Menschen, nicht für Hallen.

Die Website ist älter als die Stelle.

Letzte Meldung von 2019, Telefonnummer ohne Mobilnummer, auf dem Smartphone muss man zoomen um alle Inhalte lesen zu können. Für Bewerber:innen ist das ein Signal: Hier bewegt sich wenig.

Stockfotos statt echter Bilder.

Lächelnde Fremde im Großraumbüro, obwohl Sie eine Fertigung haben. Das merkt jeder, und es kostet mehr Vertrauen, als ein unperfektes echtes Foto es je könnte.

Die Bewerbung ist kompliziert.

Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, per Post oder als PDF an eine info-Adresse. Wer gerade in der Pause auf dem Handy schaut, macht das nicht.

Was konkret hilft

Eine Karriereseite, die den Arbeitsalltag beschreibt.

Nicht Werte, nicht Leitbilder, sondern konkret: Wie ist die Schichtplanung? Wer arbeitet im Team? Was lernt jemand in den ersten Wochen? Drei ehrliche Absätze sind mehr wert als eine Hochglanz-Seite.

Echte Fotos von echten Menschen.

Ein halber Tag mit einer Fotografin reicht für Bild-Material, das Jahre hält. Wichtig ist nicht Perfektion, sondern Erkennbarkeit.

Stellenanzeigen, die nach Ihrem Unternehmen klingen.

Dieselbe Sprache wie Ihre Website, dasselbe Layout, dieselben Farben. Wer Ihre Anzeige gesehen hat und danach auf Ihre Seite kommt, soll merken, dass beides zusammengehört.

Ein kurzer Bewerbungsweg.

Name, Kontakt, zwei Sätze, abschicken. Unterlagen können später kommen. Jede zusätzliche Hürde kostet Bewerbungen und zwar genau von den Menschen, die gerade in einem anderen Job sitzen und nicht händeringend suchen.

Was Ihre Mitarbeiter in ihrem Umfeld erzählen.

Das ist Ihre Arbeitgebermarke, lange bevor sie auf einer Website steht. Wenn die Erzählung gut ist, muss die Website das nur noch sichtbar machen. Wenn sie schlecht ist, hilft keine Gestaltung.

Das Ganze hat einen Namen

Was hier fehlt, nennt sich Employer Branding, auf Deutsch „Arbeitgebermarke“ und meint etwas sehr Bodenständiges: zeigen, wie es ist, bei Ihnen zu arbeiten.

Das ist keine Imagekampagne und kein Budget im fünfstelligen Bereich. Für die meisten Unternehmen sind es drei Dinge: eine Karriereseite, die diesen Namen verdient, Fotos aus dem eigenen Unternehmen und Stellenanzeigen, die zum Rest des Auftritts passen.

Der eigentliche Denkfehler

Die meisten Unternehmen fragen: Wie bekommen wir mehr Reichweite für unsere Anzeige? Die bessere Frage ist: Was passiert mit den Menschen, die unsere Anzeige bereits gesehen haben?

Reichweite kostet Geld und wirkt nur, solange man zahlt. Ein guter Arbeitgeberauftritt kostet einmal und wirkt bei jeder Anzeige mit, die Sie in den nächsten Jahren schalten.

Dazu kommt ein Nebeneffekt, den viele unterschätzen: Dieselben Inhalte wirken auch bei Kunden. Wer sieht, wie bei Ihnen gearbeitet wird, vertraut Ihnen auch als Auftraggeber eher.

Wie ich dabei vorgehe, steht auf meiner Seite Fachkräfte finden. Und wenn Sie wissen wollen, was bei Ihnen konkret fehlt: Im kostenlosen Erstgespräch von 15 Minuten schaue ich mir Ihren Auftritt an und sage Ihnen ehrlich, was ich sehe. Auch dann, wenn die Antwort lautet, dass Sie gar nicht viel ändern müssen.

Das könnte Sie auch interessieren

Website selbst bauen oder machen lassen? Ein ehrlicher Vergleich

Wenn man in die Selbstständigkeit startet, stellen sich viele die Frage, ob sie sich ihre Website mit Baukästen wie Wix, […]

Warum sich bei Ihnen niemand bewirbt, obwohl Ihr Unternehmen gut ist

Ein Satz, den ich in Erstgesprächen immer wieder höre: »Wir sind eigentlich ein guter Arbeitgeber. Faire Bezahlung, gutes Team, moderne […]

Barrierefreie Website – was das wirklich bedeutet

Es gibt einen Satz, den ich in fast jedem Briefing höre, wenn es um digitale Barrierefreiheit geht: »Das machen wir […]

Nach oben scrollen