Branding & Website gemeinnützig Lausitz

Forum & Projekt Lausitz –
Wie eine Marke und Website entsteht, die zur Region gehört

Wie ein Verein, der kommunikativ bei null startete, eine Marke bekam, die zur Region gehört, eine barrierefreie Website mit eingebauter Locations-Datenbasis – und zeigt, dass Barrierefreiheit kein „Nice to have“ ist, sondern der Standard.

Ausgangssituation

Der Forum & Projekt Lausitz e.V. ist seit 2008 in Bad Muskau aktiv. Der Verein verbindet Menschen mit gesundheitlichen und/oder körperlichen Einschränkungen, ältere Bürgerinnen und Bürger, und arbeitet an der Schnittstelle von Inklusion, Kulturpflege und grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit Polen. Das Thema: das gemeinsame Erbe rund um den UNESCO-Welterbe Fürst-Pückler-Park für alle zugänglich machen.

2021 gab es einen Bruch. Alters- und gesundheitsbedingt wechselten Vorstand und aktive Mitglieder. Die Website wurde nicht mehr gepflegt und ging offline. Übrig blieb ein Verein mit fast zwanzig Jahren Geschichte, engagierten Menschen und null kommunikativer Infrastruktur. Kein Logo, kein Corporate Design, keine aufbereiteten Texte, keine Bilder, die zur Arbeit des Vereins passten.

Gleichzeitig hatte der Verein ein konkretes Vorhaben: eine Datenbasis für barrierefreien Tourismus in der Region aufzubauen, geprüft durch Menschen mit gesundheitlichen und/oder körperlichen Einschränkungen als Peer-Experten. Ein Projekt mit echtem Nutzen – aber ohne Sichtbarkeit kein Projekt, das Menschen finden würden.

Das bedeutete: Es musste beides entstehen. Eine Marke, die zeigt, wer dieser Verein ist. Und ein Website, die das liefert, was er verspricht.

Kunde: Forum & Projekt Lausitz e.V., Bad Muskau

Leistung: Branding & Corporate Design, Brand Guidelines, WordPress-Website, Locations-Datenbasis, Mehrsprachigkeit DE/EN, WCAG 2.0 / BITV 2.0, Eye-Able Assist

Technologie: WordPress, Elementor Pro, ACF, CPT UI, Polylang, Borlabs Cookie
Barrierefreiheit: WAVE AIM 9.7/10 (Hauptdomain), 9.6/10 (Datenbasis) – jeweils 0 Fehler

Projektjahr: 2026

Vereins-Website: https://forum-projekt-lausitz.de/

Barrierefreies Orte: https://muskau-barrierefrei.forum-projekt-lausitz.de/

 

Keine Marke, kein Wiedererkennungswert. Jeder Auftritt – ob Flyer, Veranstaltungsbanner oder Social Media – war eine Einzelanfertigung ohne System. Das kostet Zeit und erzeugt keinen guten Eindruck.

Ein komplexes Thema mit einem heiklen Kommunikationsproblem. Barrierefreiheit wird in der öffentlichen Kommunikation häufig als Sonderthema behandelt, mit Mitleidsrhetorik oder bürokratischer Sprache. Beides wollte der Verein explizit nicht. Die Marke musste zeigen: Wir arbeiten nicht für, sondern mit Menschen mit gesundheitlichen und/oder körperlichen Einschränkungen – als Experten in eigener Sache.

Barrierefreiheit als Gestaltungsprinzip, nicht als Pflicht. Die Website und das gesamte Erscheinungsbild mussten WCAG-konform sein – nicht weil es die Förderrichtlinie verlangt, sondern weil es zur Haltung des Vereins gehört. Das stellt konkrete Anforderungen an Farbkontraste, Schriftwahl und Informationshierarchie.

Eine Datenbasis, die wächst. Das System musste von Anfang an pflegbar sein: durch den Verein selbst, ohne Entwicklerkenntnisse, ohne jedes Mal Hilfe holen zu müssen.

Zweisprachigkeit von Tag eins. Bad Muskau liegt an der deutsch-polnischen Grenze, der Fürst-Pückler-Park zieht internationale Besucher an. Deutsch und Englisch mussten gleichwertig funktionieren – nicht als nachträglicher Zusatz, sondern als strukturelle Grundlage.

Bevor wir irgendeine Farbe angefasst haben, stand eine Frage: Wofür steht dieser Verein — in einem Satz, den man auch in fünf Jahren noch unterschreiben würde?

Die Antwort kam aus dem Briefing selbst. Roger Schmidtchen, Vorsitzender des Vereins, sprach von „einem Bad Muskau für alle“. Daraus wurde die strategische Route: Erbe für alle. Das kulturelle Erbe der Lausitz gehört allen — Forum & Projekt Lausitz sorgt dafür, dass alle es wirklich erleben können.

Diese Positionierung hat einen entscheidenden Vorteil: Sie macht Inklusion nicht zum Selbstzweck, sondern zum Kulturauftrag. Das ist kein Semantiktrick — es ist eine ehrlichere Beschreibung dessen, was der Verein tatsächlich tut. Und es eröffnet einen anderen Kommunikationsraum: selbstbewusst statt bittend, einladend statt mahnend.

Für die Website kam früh eine zweite strukturelle Entscheidung dazu: Hauptdomain und Datenbasis-Subdomain als zwei separate WordPress-Installationen. Die Datenbasis ist technisch ein eigenständiges Produkt mit eigenen Templates, eigener Suchlogik und eigenen Barrierefreiheitsanforderungen. Zwei saubere Installationen bedeuten klare Verantwortlichkeiten und weniger gegenseitige Abhängigkeiten.

Farbsystem mit Barrierefreiheit als Ausgangspunkt
Die Farbpalette aus Türkis und Orange ist ausdrucksstark — aber sie musste einem harten Test standhalten: WCAG 2.0 AA. Satte Farben liefern für kleinen Fließtext oft zu wenig Kontrast. Deshalb wurde das Farbsystem zweigeteilt: helle, gesättigte Töne für große Grafiken, Hintergründe und Hero-Bereiche — dunklere Varianten (Türkis dunkel #0D6B6B, Orange dunkel #C44D1A) für alle Textelemente. Das Ergebnis ist eine Marke, die lebhaft wirkt und trotzdem lesbar ist.

Typografie, die zur Haltung passt
Work Sans als Headline-Schrift: klar, modern, mit Charakter. Inclusive Sans als Fließtextschrift: eine Open-Source-Schrift, die speziell auf Lesbarkeit für Menschen mit Leseschwäche und Seheinschränkungen ausgelegt ist. Die Schriftwahl ist also kein Stilmittel, sondern eine Aussage.

Ein Logo, das zwei Dinge auf einmal tut
Das Signet zeigt eine ausgestreckte Hand — offen, einladend, ohne Geste der Bedürftigkeit. Wer genauer schaut, entdeckt im unteren Bogen eine Referenz auf den Muskauer Faltenbogen, das architektonische Erkennungszeichen der Region. Und noch ein bisschen genauer: ein zwinkerndes Gesicht. Die Wortmarke in Work Sans Bold hält das Ganze geerdet. Nahbar und menschlich, aber mit klarer Aussage.

Grafiksystem statt Einzellösungen
Drei grafische Grundelemente — ein U-Bogen, ein Tropfen, ein Auge — bilden zusammen ein flexibles System. Aus diesen Elementen entstehen Pattern, Farbverläufe und Layoutvarianten, die der Verein selbst weiterverwenden kann: für Social Media, Flyer, Eventbanner, Merchandise. Das ist wichtig für eine gemeinnützige Organisation, die kein permanentes Designbudget hat. Das Brand-System ist so dokumentiert, dass es ohne Designkenntnisse anwendbar bleibt.

Bildsprache, die zeigt statt erklärt
Keine Stock-Fotos, keine inszenierten Gruppenbilder. Die Bildwelt zeigt echte Momente: Menschen beim gemeinsamen Tun, Gespräche, Begegnungen in der Parklandschaft. Barrierefreiheit wird nicht als Thema inszeniert — sondern als Selbstverständlichkeit gezeigt. Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen sind einfach dabei, als Teil der Gemeinschaft.

Die Datenbasis als Custom Post Type
Locations sind keine normalen Blogposts. Sie haben eigene Felder, eigene Taxonomien, eigene Anzeigelogik. Deshalb wurde ein Custom Post Type auf Basis von CPT UI und ACF eingerichtet, der genau das abbildet, was der Verein braucht. Die Barrierefreiheits-Taxonomie umfasst sechs Kategorien: Körperbehinderung / Rollstuhl, Behindertengerechte Toilette, Sehbehinderung, Hörbehinderung, Leichte Sprache und Senior:innenfreundlich. Jede Kategorie hat ein eigenes SVG-Icon, das per CSS gesteuert wird und automatisch das Branding übernimmt. Auf den Location-Kacheln sind die relevanten Icons sofort sichtbar – ohne dass jemand die Detailseite öffnen muss.

Zweisprachigkeit als technische Grundlage
Polylang übernimmt die Sprachverwaltung. Jede Location, jeder Blogpost, jede Taxonomie-Bezeichnung existiert in einer deutschen und einer englischen Version. Eine bekannte Einschränkung ist in der Barrierefreiheitserklärung dokumentiert: Der Basis-Slug der Barrierefreiheits-Taxonomie bleibt in englischen URLs unübersetzt – das ist eine Limitierung der kostenlosen Polylang-Version, bewusst akzeptiert und transparent gemacht.

Eye-Able Assist – DSGVO-konform eingebunden
Eye-Able Assist stellt eine Toolbar bereit, mit der Nutzende Schriftgröße, Kontrast, Leselineal und Vorlesefunktion anpassen können. Das datenschutzrechtliche Problem: Eye-Able überträgt beim Laden Daten an externe Server – eine einfache Einbindung im Header wäre ein DSGVO-Verstoß. Die Lösung: Eye-Able lädt ausschließlich über einen Borlabs-Cookie-Opt-in-Block. Das Skript wird erst ausgeführt, wenn die Person aktiv zugestimmt hat. Für einen Verein, dessen gesamte Arbeit auf echter Zugänglichkeit beruht, ist das keine Option.

Das Ergebnis ist ein vollständiges Brand-System: Logo in mehreren Varianten, eine dokumentierte Farbpalette mit barrierefreien Einsatzregeln, zwei Schriftfamilien mit klarer Hierarchie, drei grafische Grundelemente mit Anwendungsregeln – alles in einem 43-seitigen Brand Guide, den Vereinsmitglieder selbstständig anwenden können.

Auf der Website-Seite: eine WordPress-Hauptdomain mit fünf Inhaltsbereichen und eine eigenständige Datenbasis-Subdomain mit Übersichtsseite, Filterung nach Barrierefreiheits-Kategorien, Detailseiten pro Location und vollständiger DE/EN-Zweisprachigkeit. Beide Installationen teilen das Branding, funktionieren aber technisch unabhängig voneinander.

Auf der Startseite kommt der Datenbasis-Teaser prominent nach dem Hero-Bereich – weil das Leuchtturmprojekt der stärkste erste Beweis ist, dass der Verein liefert, nicht nur plant.

Forum & Projekt Lausitz hat jetzt eine visuelle Identität, die zur tatsächlichen Arbeit des Vereins passt: verwurzelt in der Region, offen für alle, klar in der Aussage. Kein gemeinnütziger Einheitslook, kein institutionelles Grau.

Was vorher jede Veranstaltung zur Einzelanfertigung machte, läuft jetzt aus einem System. Flyer, Social Media, Website, Eventmaterial – alles aus denselben Bausteinen, erkennbar als dasselbe.

Die Datenbasis ist von Anfang an auf Wachstum ausgelegt. Der Verein kann Einträge selbst pflegen, ohne Hilfe von außen – mit einer Struktur, die auch dann noch funktioniert, wenn der Umfang von 15 auf 50 Locations steigt.

Und die Barrierefreiheits-Werte von WAVE AIM 9.7 und 9.6 bei null Fehlern bedeuten: Menschen mit Seheinschränkungen, Hörbehinderungen, motorischen Einschränkungen oder Lernschwächen können diese Website tatsächlich nutzen. Für einen Verein, dessen gesamte Arbeit auf dem Grundsatz beruht, dass Teilhabe keine Sonderlösung ist, ist das kein Nice-to-have.

Lassen Sie uns über
Ihr Vorhaben sprechen

Sie haben eine Vorstellung, wo Sie mit Ihrer Website hin wollen?
Dann lassen Sie uns reden.

Im kostenlosen Erstgespräch (15 Min) klären wir:

  • Wo stehen Sie jetzt?
  • Was soll sich ändern?
  • Passt mein Angebot zu Ihrem Projekt?

Wenn Sie lieber per Mail schreiben:
hallo@hytte.design

Zum Newsletter anmelden

Sie bekommen keine Werbeflut, versprochen. Sondern ab und zu eine Mail mit Einblicken in meine Arbeit, Impulsen rund um Marke, Website und Sichtbarkeit – und hin und wieder Empfehlungen, die Ihnen als Unternehmen oder Organisation weiterhelfen.