Branding & Website gemeinnützig Lausitz
Forum & Projekt Lausitz –
Wie eine Marke entsteht,
die zur Region gehört
Wie ein Verein, der kommunikativ bei null startete, eine Marke bekam, die zur Region gehört —
und zeigt, dass Barrierefreiheit kein Sonderfall ist, sondern der Standard.
Ausgangssituation
Der Forum & Projekt Lausitz e.V. ist seit 2008 in Bad Muskau aktiv. Der Verein verbindet Menschen mit und ohne Behinderungen, ältere Bürgerinnen und Bürger, und arbeitet an der Schnittstelle von Inklusion, Kulturpflege und grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit Polen. Das Thema: das gemeinsame Erbe rund um den UNESCO-Welterbe Fürst-Pückler-Park für alle zugänglich machen.
2021 gab es einen Bruch. Alters- und gesundheitsbedingt wechselten Vorstand und aktive Mitglieder. Die Website wurde nicht mehr gepflegt und ging offline. Übrig blieb ein Verein mit fast zwanzig Jahren Geschichte, engagierten Menschen — und null kommunikativer Infrastruktur. Kein Logo, kein Corporate Design, keine aufbereiteten Texte, keine Bilder, die zur Arbeit des Vereins passten.
Gleichzeitig hatte der Verein ein konkretes Vorhaben: eine Datenbasis für barrierefreien Tourismus in der Region aufzubauen, geprüft durch Menschen mit Behinderungen als Peer-Experten. Ein Projekt mit echtem Nutzen — aber ohne Sichtbarkeit kein Projekt, das Menschen finden würden.
Kundin: Forum & Projekt Lausitz e.V., Bad Muskau
Leistung: Branding & Corporate Design, Brand Guidelines
Projektjahr: 2026
Zentrale Herausforderung
Drei Probleme überlagerten sich:
Keine Marke, kein Wiedererkennungswert. Jeder Auftritt — ob Flyer, Veranstaltungsbanner oder Social Media — war eine Einzelanfertigung ohne System. Das kostet Zeit und erzeugt keinen Eindruck.
Ein komplexes Thema mit einem heiklen Kommunikationsproblem. Barrierefreiheit wird in der öffentlichen Kommunikation häufig als Sonderthema behandelt, mit Mitleidsrhetorik oder bürokratischer Sprache. Beides wollte der Verein explizit nicht. Die Marke musste zeigen: Wir arbeiten nicht für, sondern mit Menschen mit Behinderungen — als Experten in eigener Sache.
Barrierefreiheit als Gestaltungsprinzip, nicht als Pflicht. Die Website und das gesamte Erscheinungsbild mussten WCAG-konform sein — nicht weil es die Förderrichtlinie verlangt, sondern weil es zur Haltung des Vereins gehört. Das stellt konkrete Anforderungen an Farbkontraste, Schriftwahl und Informationshierarchie.
Strategische Herangehensweise
Bevor wir irgendeine Farbe angefasst haben, stand eine Frage: Wofür steht dieser Verein — in einem Satz, den man auch in fünf Jahren noch unterschreiben würde?
Die Antwort kam aus dem Briefing selbst. Roger Schmidtchen, Vorsitzender des Vereins, sprach von „einem Bad Muskau für alle“. Daraus wurde die strategische Route: Erbe für alle. Das kulturelle Erbe der Lausitz gehört allen — Forum & Projekt Lausitz sorgt dafür, dass alle es wirklich erleben können.
Diese Positionierung hat einen entscheidenden Vorteil: Sie macht Inklusion nicht zum Selbstzweck, sondern zum Kulturauftrag. Das ist kein Semantiktrick — es ist eine ehrlichere Beschreibung dessen, was der Verein tatsächlich tut. Und es eröffnet einen anderen Kommunikationsraum: selbstbewusst statt bittend, einladend statt mahnend.
Strukturelle Entscheidungen im Projekt
Farbsystem mit Barrierefreiheit als Ausgangspunkt
Die Farbpalette aus Türkis und Orange ist ausdrucksstark — aber sie musste einem harten Test standhalten: WCAG 2.0 AA. Satte Farben liefern für kleinen Fließtext oft zu wenig Kontrast. Deshalb wurde das Farbsystem zweigeteilt: helle, gesättigte Töne für große Grafiken, Hintergründe und Hero-Bereiche — dunklere Varianten (Türkis dunkel #0D6B6B, Orange dunkel #C44D1A) für alle Textelemente. Das Ergebnis ist eine Marke, die lebhaft wirkt und trotzdem lesbar ist.
Typografie, die zur Haltung passt
Work Sans als Headline-Schrift: klar, modern, mit Charakter. Inclusive Sans als Fließtextschrift: eine Open-Source-Schrift, die speziell auf Lesbarkeit für Menschen mit Leseschwäche und Seheinschränkungen ausgelegt ist. Die Schriftwahl ist also kein Stilmittel, sondern eine Aussage.
Ein Logo, das zwei Dinge auf einmal tut
Das Signet zeigt eine ausgestreckte Hand — offen, einladend, ohne Geste der Bedürftigkeit. Wer genauer schaut, entdeckt im unteren Bogen eine Referenz auf den Muskauer Faltenbogen, das architektonische Erkennungszeichen der Region. Und noch ein bisschen genauer: ein zwinkerndes Gesicht. Die Wortmarke in Work Sans Bold hält das Ganze geerdet. Nahbar und menschlich, aber mit klarer Aussage.
Grafiksystem statt Einzellösungen
Drei grafische Grundelemente — ein U-Bogen, ein Tropfen, ein Auge — bilden zusammen ein flexibles System. Aus diesen Elementen entstehen Pattern, Farbverläufe und Layoutvarianten, die der Verein selbst weiterverwenden kann: für Social Media, Flyer, Eventbanner, Merchandise. Das ist wichtig für eine gemeinnützige Organisation, die kein permanentes Designbudget hat. Das Brand-System ist so dokumentiert, dass es ohne Designkenntnisse anwendbar bleibt.
Bildsprache, die zeigt statt erklärt
Keine Stock-Fotos, keine inszenierten Gruppenbilder. Die Bildwelt zeigt echte Momente: Menschen beim gemeinsamen Tun, Gespräche, Begegnungen in der Parklandschaft. Barrierefreiheit wird nicht als Thema inszeniert — sondern als Selbstverständlichkeit gezeigt. Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen sind einfach dabei, als Teil der Gemeinschaft.
Design- und Markenlösung
Das Ergebnis ist ein vollständiges Brand-System: Logo in mehreren Varianten (vertikal, horizontal, Kurzform), eine dokumentierte Farbpalette mit barrierefreien Einsatzregeln, zwei Schriftfamilien mit klarer Hierarchie, drei grafische Grundelemente mit Anwendungsregeln für Pattern und Layouts sowie eine Bildsprache-Guideline.
Alle Entscheidungen sind in einem 43-seitigen Brand Guide dokumentiert, der so aufgebaut ist, dass Vereinsmitglieder ihn selbstständig anwenden können — ohne Designausbildung, ohne Agentur im Rücken. Das war eine bewusste Entscheidung: Nicht Abhängigkeit erzeugen, sondern Eigenständigkeit ermöglichen.
Was das Branding bewirkt
Forum & Projekt Lausitz hat jetzt eine visuelle Identität, die zur tatsächlichen Arbeit des Vereins passt: verwurzelt in der Region, offen für alle, klar in der Aussage. Kein gemeinnütziger Einheitslook, kein institutionelles Grau.
Was vorher jede Veranstaltung zur Einzelanfertigung machte, läuft jetzt aus einem System. Flyer, Social Media, Website, Eventmaterial — alles aus denselben Bausteinen, erkennbar als dasselbe.
Und die Datenbasis für barrierefreien Tourismus — das Leuchtturmprojekt des Vereins — hat jetzt einen äußeren Rahmen, der das Versprechen hält: Hier wird ernsthaft gearbeitet, nicht nur gut gemeint.














